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FRANKREICHTOUR 2009

Frankreichtour der Leiden 2009

Am 19.06.2009 brachen zwei Fahrer (Oliver Gehrking und Stephan Franke) des Teams KAEFER morgens um 4 Uhr auf um sich auf den Spuren der Tour de France zu begeben. Allerdings reisten sie nicht so komfortabel wie die Profis, sondern beladen mit einem 10 kg schweren Rucksack. Sie verpackten ihre Räder in einen Karton und flogen nach Bergamont um dort ihre Alpenüberfahrt zu beginnen. Anbei ein kurzer Reisebericht mit persönlichen Anmerkungen und mehreren Fotos dieser außergewöhnlichen Radreise.

Etappentag 1
195 km

Bergamo-Allessandria
In der Po Ebene fuhren wir bei 30 Grad Hitze und enormer Smogbelastung den Bergen entgegen. Anfangs noch gut motiviert und voller Kraft fuhren wir ein Tempo von 37 oder 38 km/h. Später änderte sich das aber, denn der Smog lies ein kaum tief einatmen. Hinzukam dass uns das Wasser langsam ausging und die Tankstelle in der Po-Ebene geschlossen waren. Nachdem wir endlich einen Supermarkt fanden, kam ein Gewitter auf uns machte eine Weiterfahrt unmöglich, daher übernachteten wir in Allessandria.

 

Etappentag 2
170 km

Allessandria- Alba- Saluzzo- Castello
Die Toskanaähnliche Landschaft war beeindruckend. Endlich kamen die Berge und die Luft wurde deutlich besser. Allerdings gingen auch die Temperaturen langsam wieder runter. Der erste Passanstieg wurde auf 1800 HM am Lago di Castello beendet.  Wir fanden eine tolle Unterkunft: In einem typischem italienischem Refugio waren wir optimal untergebracht und den Rest des Abends verbrachten wir bei landestypischer Verpflegung, gutem Wein und dem ein oder anderem Cappuccino in der gemütlichen, hauseigenen Bar. Für die Passüberquerung wäre es ohnehin bereits zu spät geworden.

Etappentag 3
160 km

Castello – Colle del´Agnello - Col d´Izoard - Briancon  –  Col du Lautaret
Der nächs te Morgen brachte uns gleich eine Überraschung.Beim Blick aus unserem Zimmerfenster in die Berge war nicht zu übersehen, dass der nächtliche Regen  ab ca. 2000m als Neuschnee niedergegangen ist. Trotzdem fuhren wir weiter und kamen nach ca.20km Restanstieg bei etwa 3 Grad auf dem winterlichen Colle del´Agnello, mit 2744m der zweithöchste Pass Italiens und gleichzeitig Grenze zu Frankreich, an. Schnell ein paar Fotos gemacht, möglichst viel wärmende Kleidung angezogen und schon ging es an die knapp 30km lange, rasende Abfahrt. Im Tal angekommen belohnten wir uns in einem kleinen Cafe in Chateau Queyras bei frühlingshaften Temperaturen mit einer leckeren französischen Gemüsetarte, einem kleinen Salat und wärmenden Getränken. Der nächste Pass, der Col d´Izoard (2360m) war nach 15km Anstieg dann verhältnismäßig schnell erreicht. Nicht mehr ganz so winterlich erreichten wir nach ca. 20km Abfahrt Briancon, Europas höchstgelegene Stadt. Stetig bergauf und immer steiler werdend ging es durch das Vallée de la Guisane bis zum Col du Lautaret auf etwas über 2000m. Wenige Meter unterhalb der Passhöhe  teilten wir uns mit einer Gruppe französischer Motorradfahrer die einfache aber sehr gemütliche Berghütte.

Etappentag 4
130 km

Col du LautaretCol du Galibier Col du Telegraphe –Col du MollardCol de la Croix de Fer – Col du GlandonAllemont
Der Galibier (2646m) ist einer der schönsten Pässe der Alpen und einer der höchsten dazu. Oft im Programm der Tour de France. Der Himmel war blau, die Temperaturen aber leider sehr niedrig und es wehte ein starker Wind. Die Landschaft wurde immer imposanter und aufgrund von Streckenabschnitten mit 14% Steigung war der Anstieg Schwerstarbeit. Hat man diesen Pass selbst einmal bezwungen, weiß man was die Radprofis leisten. Oben angekommen, bietet sich dem Auge ein überwältigender Ausblick den wir bei frostigen Bedingungen und eiskaltem Wind aber nicht lange genießen. Wir haben noch einiges an Wegstrecke vor uns an diesem Tag. (Bild 2)Auf dem Weg ins Tal nehmen wir mal eben so nebenbei den Col du Telegraphe mit. Es folgt ein kurzes Flachstück, bevor wir links in Richtung Col de la Croix de Fer ins Gebirge abbiegen. Nach insgesamt knapp 40km erreichen wir die Passhöhe auf 2067m Höhe, mussten aber unterwegs den Col du Mollard überqueren. Wenige Kilometer später beginnt ab dem Col du Glandon die 30km lange Abfahrt durch menschenleere traumhafte Natur. So erreichen wir Allemont und beziehen bei jungen Holländern in einem Radsporthotel für zwei Tage unser Quartier.
 

Etappentag 5
85 km

Allemont – Le Bourg-d’ Oisans – Alpe-d’ Huez
2009_Lag ardeMythos Alp d. Huez „Der Berg der Holländer“, ein Pass ist es natürlich nicht. Aber selbstverständlich ist Alpe d'Huez für jeden Radsportfan eine Legende. Auch wenn es steilere Berge, schönere Straßen und auch idyllischere Orte gibt. Dennoch, Alpe d'Huez darf nicht fehlen. Oft ist es Ziel einer Etappe der Tour de France, dann herrscht hier Volksfeststimmung. 21 durchnummerierte Kehren führen nach oben.

 

Etappentag 6
127 km

Allemont – Col d´Ornon – Col de l´Holme – Corps – Serres
Der größte Teil unserer Etappe führte uns durch den landschaftlich beeindruckenden Nationalpark “Des Ecrins”. Sehr abwechslungsreich durch Schluchten und Wälder über Hochplateaus und leicht zu befahrende Pässe. Schnell war klar, dass wir das Hochgebirge hinter uns gelassen haben und wir uns im Mittelmeerklima befinden. Die Temperaturen stiegen deutlich an und die ersten Zickaden zirpten an der Strecke und Pinienduft stieg uns in die Nase. Erste Vorboten der Provence.

Etappentag 7
130 Km

Serres – Col de Perty – Col d´Aulan – Montbrun les Bains – Vaison la Romaine
Unsere Fahrt führte uns durch typisch provencealische Landschaft recht schnell auf den Col de Perty. Dieser wurde vor wenigen Jahren im Rahmen der Tour de France bezwungen. Oben angekommen konnten wir erstmals einen Blick auf den Mont Ventoux werfen. Nun nur noch bergab, vorbei an duftenden Lavendelfeldern, einmal halb um den Berg herum und schon saßen wir bei Olivers Onkel und Tante mit Blick in die Weinberge bei Pastis, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Früh Morgens in Bremen losgefahren, traf dann auch Achim bereits am späten Nachmittag ein. Auf ihn hatten wir uns sehr gefreut.

Etappentag 8

Mont Ventoux
Der Mont Ventoux, der "König der Provence" , der “Gigant”, der schon aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen ist, da sich seine fast 2.000 m unmittelbar aus der Ebene der Provence erheben. Nach der Rodung der Wälder erhielt er in den oberen Regionen sein karges, an eine Geröllwüste erinnerndes "Outfit". Dies und seine exponierte Lage machen gleich klar, worauf man sich einstellen kann: Es kann auch im Sommer sehr kalt und vor allem windig sein, aber auch sehr heiß, da es oben nicht die Spur von Schatten gibt. Drei Strassen führen auf den Gipfel: Von Sault im Südosten sind es 26 km und 1.144 Höhenmeter, von Malaucène im Westen ist es kürzer und die Höhendifferenz ist größer. Man muss 1.595 Höhenmeter in 21 km überwinden. Noch ein wenig schwieriger ist der Anstieg von Bédoin im Südwesten, 1.637 Höhenmeter in 21 km. Wir nahmen natürlich den schwersten Anstieg, schon alleine, weil sich auch die Radprofis immer aus dieser Richtung dem Berg annähern. Gleich im Ort geht es los, sofort ist das Ziel zu sehen. Dennoch deutet kurz hinter Bédoin noch nichts auf die kommenden Strapazen hin. Steil ist es dennoch, im Schnitt nicht viel weniger als 10 %. Kurz vor dem Chalet Reynard ist es dann ein kurzes Stück mal etwas flacher, ehe es hinaus in die Wüste geht. Nun kämpft man sich immer am Hang entlang hin zu dem schon deutlich sichtbaren Turm auf dem Gipfel.
Nicht jeder hat diesen Kampf gewonnen: der englische Radprofi Tom Simpson brach am 13. Juli 1967 kurz vor dem Ziel zusammen und starb, vollgepumpt mit Amphetaminen zum Aufputschen und Alkohol zum Betäuben der Schmerzen. Ihm zu Ehren ist ein Denkmal errichtet worden, an dem viele Radfahrer ihm zum Gedenken ein “Opfer” bringen. Im Gipfelkiosk mit neuem Mont-Ventoux-Schlüsselanhänger bestückt, geht es auf breiter Straße mit Höchstgeschwindigkeit hinunter nach Malaucène. In einen der zahlreichen Cafes belohnen wir uns mit einem Croque Monsieur.

Etappentag 9

La Provence, la Provence...
Der Tag beginnt mit einem Frühstück im Innenhof unserer tollen Unterkunft in Puymeras. Einen Tag vor dem Rennen ist lockeres Fahren angesagt. Leider weht der starke Mistral. Trotzdem genießen wir die Fahrt durch typisch mediterrane Landschaft, mittelalterliche Orte und vorbei an allerlei historischen Sehenswürdigkeiten. Krönender Abschluß der kurzen Ausfahrt ist das kleine Mittagessen in Faucon, einem der schönsten Dörfer der Region. Unter Platanen auf dem kleinen Dorfplatz vor dem einzigen kleinen Lokal genießen wir bei Vin Rosé, verschiedenen Tartes und Salat französische Lebensart. Anschließend nur noch ein kurzes Stück mit dem Rad bergab und dann sofort ab an den Hotelpool.

Etappentag 10

Rennen über (126 km, 2570 hm) und um (100 km, 1300 hm) den Mont Ventoux
Start um 9 Uhr in Vaison la Romaine. Etwa 400 Teilnehmer machen sich auf den Weg den Mont Ventoux zu überqueren, oder zu umfahren. In Malaucène teilt sich das Feld und für die, die auf den Gipfel wollen geht es nun erst einmal nur noch steil bergauf. Aber auch die “Bergumfahrer”, wie Achim, müssen den ein oder anderen Paß überqueren. Stephan muss leider im Anstieg auf dem Mont Ventoux wegen Magenproblemen das Rennen frühzeitig beenden, Achim kommt ziemlich erschöpft aber glücklich nach einigen Stunden im Ziel an und Oliver beendet das Rennen nach 126 km auf Platz 21.

Etappentag 10

1250 km Heimreise nach Deutschland
Vielen Dank auf diesem Wege noch einmal an Achim, der uns die Heimreise mit dem Auto ermöglicht hat.